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Die Monumente der Megalithkultur – die ältesten Denkmale Europas mitten im Artland!

Mit dem Kulturstraßenprojekt Megalithic Routes verfolgen Wissenschaftler, Museums- und Tourismusfachleute aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark das Ziel, die herausragende Bedeutung der Megalithkultur für die Geschichte Europas deutlich zu machen, ihre Bauwerke touristisch neu zu erschließen und damit zu einer Verbesserung ihres Schutzes als Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes beizutragen.

 

Hunebed Borger, NL
Luttra, Schweden
Dolmen in Plejerup, DK

Die Entstehung von ideellen Gemeinsamkeiten in Europa als Grundlage für die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Identität ist ein Phänomen, das nicht erst mit der Gründung der europäischen Staatengemeinschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts  in Erscheinung tritt. Bereits mehr als 5.000 Jahre vorher, in der Jungsteinzeit, wurde die Landschaft in den meisten der heutigen Mitgliedsstaaten von markanten, ebenfalls einer gemeinsamen Idee folgenden Bauwerken beherrscht: den Monumenten der Megalithkultur. Sie dienten ausschließlich kultischen Zwecken und ziehen mit ihrer Monumentalität und Massivität auch heute noch viele Betrachter in ihren Bann. Es sind die ältesten baulichen Zeugnisse Europas, älter als die Pyramiden Ägyptens –  geformt aus tonnenschweren Steinen, deren Bearbeitung, Transport und Handhabung  mit den damals verfügbaren Mitteln bis heute wie ein großes Rätsel erscheint. In unzähligen Beschreibungen und künstlerischen Darstellungen vom Mittelalter bis heute wird deutlich, dass die Megalithkultur zu den bedeutendsten historischen Themen gehört, mit denen sich die Menschen in Europa jemals befasst haben.

Jeggen, Deutschland
Merry Maidens, England

Image Broschüre Megalithic Routes

application/pdf Image brochure 2014 Druckversion.pdf (2,0 MiB)

Megalithic Routes e.V.

Geschäftsstelle

c/o Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück

Lotter Straße 2

49078 Osnabrück

Germany

Tel.: 0049(0)541-3232284

info@megalithicroutes.eu

www.megalithicroutes.eu

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Das Projekt Megalithic Routes steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments a. D.

Die Mehrzahl der megalithischen Monumente waren ursprünglich Grabbauten. Viele nachfolgende Kulturen, von der Bronzezeit bis zum Industriezeitalter, haben sich ihrer bedient und für eigene Zwecke weiterverwendet – bis zur rigorosen Zerstörung bei der Urbarmachung landwirtschaftlicher Flächen und der Verwendung der großen Steine als Baumaterial für den Straßen- und Hausbau.   Heute sind in Europa immer noch Tausende von ihnen erhalten geblieben, oft konzentriert in verschiedenen, meist küstennahen Großräumen vom südlichen Mittelmeer bis zum Norden der Britischen Inseln.  Ihre Bauweise lässt je nach Standort, Entstehungszeit und Ursprungsfunktion deutliche Unterschiede erkennen. Bis heute ist es der archäologischen Forschung nicht gelungen, sämtliche sich daraus ergebenden Fragen zu beantworten. Vor allem über die Bedeutung der Vielzahl der einzeln aufrecht stehenden, in Kreisen oder Reihen angeordneten Steine gibt es nur Mutmaßungen und Spekulationen. Sie haben der Megalithkultur als eines der großen Rätsel der Kulturgeschichte ihren Stempel aufgedrückt. Bereits im Mittelalter wurde versucht, diesen Mythos aufzuklären. Es kam es zu ersten archäologischen Untersuchungen – leider mit dem bedauerlichen Ergebnis, dass dabei viele Spuren aus der Entstehungszeit der Megalithbauten unwiederbringlich zerstört wurden.

Heute stehen alle Monumente der Megalithkultur unter striktem Denkmalschutz. Selbst wissenschaftliche Untersuchungen durch archäologische Ausgrabungen sind nur in Ausnahmefällen zulässig, z. B. wenn  einem dieser Denkmale die Zerstörung droht, weil frühere menschliche Eingriffe oder besondere Umwelteinflüsse einen unaufhaltsamen  Zerfallsprozess ausgelöst haben.

Der Ursprung der Megalithkultur liegt in der Entstehung erster ortsfester menschlicher Siedlungen durch die Anfänge der bäuerlichen Wirtschaftsweise vor über 10.000 Jahren im Vorderen Orient. Erstmals nutzte der Mensch zur Sicherung seiner Existenz  nicht mehr ausschließlich das begrenzte Nahrungsangebot der Natur, sondern produzierte durch Ackerbau und Viehzucht die wichtigsten Nahrungsmittel selbst.  Wesentliche Auswirkung dieser völlig neuartigen Lebensweise war die dauerhafte Inbesitznahme von kleinräumigen Territorien durch das Anlegen von landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Nach neuesten wissenschaftlichen Auffassungen entstanden nahezu gleichzeitig an exponierten Standorten die Megalithbauten, um die Besitzansprüche einer Siedlungsgemeinschaft an diesem Teil der Landschaft durch nahezu unzerstörbare Bauwerke weithin sichtbar deutlich zu machen. Im Laufe der nachfolgenden Jahrtausende verbreiteten sich sowohl die bäuerliche Lebensweise als auch die Megalithkultur über den gesamten Mittelmeerraum, bis im 4. Jahrtausend v. Chr. der nördlichste Punkt dieser Ausbreitung in Großbritannien und Südskandinavien erreicht war.

Die größten Ansammlungen megalithischer Monumente entstanden im 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr.  im westlichen Europa, von der iberischen Halbinsel über Westfrankreich bis nach Irland und England. Im 4. Jahrtausend bildete sich im nördlichen Mitteleuropa rund um das Zentrum Dänemark die Trichterbecherkultur heraus. Ihre Megalithbauten unterscheiden sich von den älteren Anlagen vor allem dadurch, dass ein aus großen Steinen konstruierter Gang auf die Mitte der länglichen Grabkammern zulief – was zu der Bezeichnung „Ganggräber“  führte. Mit den Projektpartnern aus den Ländern Dänemark, Niederlande, Schweden und Deutschland deckt das Projekt Megalithic Routes nahezu perfekt das Verbreitungsgebiet der Trichterbecherkultur ab.

Die intensiven archäologischen Forschungen des 19. und 20. Jahrhunderts haben viele Fundstücke erbracht, die uns einen Einblick in die Lebens- und Vorstellungswelt der jungsteinzeitlichen Bevölkerung vor über 5.000 Jahren geben. Fast alle Funde sind Beigaben für die Toten. Sie künden vom materiellen Reichtum und von technischen Innovationen, die wegweisend für alle nachfolgenden Kulturen waren. Fast alles stammt aus einheimischen Werkstätten, aber innerhalb weniger Generationen war in Mitteleuropa auch ein überregionaler Warenaustausch entstanden, über den die wertvollsten Produkte aus Kupfer und Gold eine enorme Verbreitung erfuhren.

Bei den Megalithic Routes handelt es sich um neue touristische Wege in den Regionen, in denen eine Vielzahl megalithischer Monumente erhalten geblieben ist. Die Wege sollen Besucher zu Anlagen führen, die beispielhaft den enormen baulichen Aufwand veranschaulichen, der den kulturellen Neubeginn in Europa vom 5. bis zum 4. Jahrtausend v. Chr.  kennzeichnet.

Die Megalithic Routes sind  Wege für die Menschen von heute – Wege, die das gesamte Spektrum der Kommunikations- und Fortbewegungsmöglichkeiten einer mobilen Gesellschaft unserer Zeit umfassen sollen. Im Mittelpunkt steht dabei der sanfte Tourismus, um deutlich zu machen, dass die Begegnung mit den Monumenten einer jahrtausendealten Kultur einen hohen  Respekt erfordert – Respekt gegenüber der raumgreifenden spirituellen Sphäre rund um jedes dieser Monumente und Respekt gegenüber dem ursprünglich uneingeschränkten Einklang von Kultur und Natur.

Innerhalb der deutschen Verbreitungsgebiete der Megalithkultur stellt die Region Weser-Ems einen besonderen Schwerpunkt dar. Hier haben sich bis heute verschiedene megalithische Zentren erhalten, die zahlreiche Besonderheiten in Größe, Bauweise und Ausstattung einzelner Grabanlagen aufweisen. Zu dieser Vielfalt gehören

  • über 100 Meter lange „Hünenbetten“
  • linear verlaufende Steinreihen als symbolische Verbindung zwischen zwei Gräbern
  • wie überdimensionale Tische anmutende „Polygonaldolmen“, bei denen eine mehrere m² große Deckplatte auf vielen kleinen Wandsteinen ruht
  • ein Grab, das nicht wie üblich aus den „Findlingen“ der Eiszeit gebaut wurde, sondern für das Bruchsteine aus der unmittelbaren Umgebung verwendet wurden

Seit 2009 existiert hier eine von den Tourismuseinrichtungen in Zusammenarbeit mit der Archäologischen Denkmalpflege Osnabrück entwickelte  „Straße der Megalithkultur“, die auf einer Länge von 330 km die wichtigsten Monumente der Megalithkultur miteinander verbindet.

Besonders interessante bauliche Varianten der Megalithkultur finden sich im Süden des Osnabrücker Landes. Dort endet das Verbreitungsgebiet der Trichterbecherkultur und stößt auf die von Süden her kommende hessisch-westfälische Wartbergkultur. In dieser Kontaktzone entstanden Gräber als Mischform aus den Ganggräbern der Trichterbecherkultur und den Galeriegräbern der Wartbergkultur.

Es gibt nur ein überregional bedeutendes Museum in Europa, das sich ausschließlich mit dem vielfältigen Spektrum der  Megalithkultur und deren monumentalen Grabanlagen befasst: das Hunebedcentrum in Borger in den Niederlanden. Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Trichterbecherkultur, die im 4. Jahrtausend v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa bis nach Südskandinavien verbreitet war. Das Hunebedcentrum bietet den Besuchern eine Vielzahl an Möglichkeiten, diese Kultur mit ihren wichtigsten technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften kennenzulernen.

Das Museumsgebäude und fast alle niederländischen Megalithgräber stehen auf dem „Hondsrug“, einem ca. 60 km langen Höhenzug in der Provinz Drenthe. Die größte der insgesamt 53 Anlagen befindet sich unmittelbar neben dem Museum. Alle weiteren „Hunebedden“ können von hier aus dank eines gut ausgebauten Systems an Wander- und Fahrradrouten problemlos erreicht werden.

Zum umfangreichen Museumsangebot gehört auch ein Freigelände mit Nachbauten der über 5.000 Jahre alten Wohn- und Wirtschaftshäuser.

Seit 2005 kommen jährlich fast 100.000 Besuchern hierher. Damit gehört das Hunebedcentrum zu den erfolgreichsten privat initiierten archäologischen Museumsneugründungen der letzten Jahrzehnte in Europa.

 

Im 4. Jahrtausend v. Chr. begann die Trichterbecherkultur von Dänemark aus, sich über die Nachbarregionen zu verbreiten. Wen wundert’s, wenn wir in diesem Land auch die mit Abstand größte Dichte an Megalithbauten vorfinden. Insgesamt gibt es heute noch annähernd 3.000 megalithische Monumente, die über das dänische Festland und die zahlreichen Inseln verteilt sind.

Alle Anlagen, die von Dänemark aus als Beitrag zu den Megalithic Routes vorgesehen sind, werden zentral vom Nationalinstitut für Denkmalpflege in Kopenhagen betreut. Es arbeitet mit archäologischen  Museen und Restaurierungswerkstätten zusammen, die als regionale Partner mit der Entwicklung von dezentralen touristischen Angeboten befasst sind. Dazu gehören

  • das kulturgeschichtliche Museum Sydøstdanmark in Vordingborg im Süden der Insel Seeland. Es wird zurzeit als Neubau inmitten der Ruinen einer mittelalterlichen Burg errichtet. Von hier aus werden sämtliche Megalithgräber im Stadtgebiet und auf der Insel Møn betreut. Einige Anlagen mit vollständig erhaltenen Grabkammern sind aufwendig restauriert und begehbar gemacht worden.  Die bedeutendsten Fundstücke werden ab August 2013 in der Dauerausstellung des neu errichteten Museumskomplexes zu sehen sein.
  • das archäologische Museum in Odsherred im Nordwesten der Insel Seeland. In der näheren Umgebung finden sich zahlreiche Megalithgräber, die zu den schönsten und größten Beispielen für Ganggräber in Dänemark gehören.

Die Nordausbreitung der Megalithkultur endet in Südschweden in Höhe der beiden großen Seen Vänern und Vättern.  Zwischen beiden liegt Falbygden, eine abwechslungsreiche Landschaft mit zahlreichen Mooren und einzigartigen Tafelbergen. Sie scheint schon in der Jungsteinzeit eine hohe Attraktivität besessen zu haben, denn nirgendwo sonst in Schweden gibt es mehr Megalithgräber. Insgesamt existieren hier heute noch ca. 260 Anlagen. Da der natürliche Untergrund sehr kalkhaltig ist, haben sich die über 5.000 Jahre alten Skelettreste hervorragend erhalten – eine gute Ausgangsbedingung für aktuelle Forschungsprojekte der Universität Göteborg zur Ermittlung des sogenannten genetischen Fingerabdrucks und der Herkunft der damaligen Bevölkerung.

Ausführliche Informationen findet der Besucher im archäologisch ausgerichteten Falbygden Museum der Stadt Falköping. Dort ist auch das Raspberry-Girl zu sehen, eine der sehr seltenen jungsteinzeitlichen Moorleichen Europas. In den nächsten Jahren soll hier ein neues größeres Museum gebaut werden – genau über einem mitten im Stadtzentrum gelegenen Megalithgrab.

In der Umgebung von Falköping werden die bedeutendsten megalithischen Monumente entlang einer ca. 120 km langen touristischen Ferienstraße nach dem Prinzip eines Eco-Museums präsentiert. Dazu gehört auch das Freilichtmuseum Ekehagen mit einem umfassenden Angebot an Rekonstruktionen zur Lebens- und Arbeitswelt von der Steinzeit bis zur Eisenzeit.